Besuch in Betrawati und Naldum 12.12.2010

Liebe Freunde von HTC,

nachdem sich Stefans Anreise nach dem OP-Camp in Nordindien schwieriger gestaltet hat als gedacht, konnten wir uns erst mit zwei Tagen Verspätung hier in Kathmandu treffen. Nach zwei Tagen Sightseeing in Kathmandu machten wir uns auf den Weg zu den heiligen Seen in Gosaikunda.

Eine etwas abenteuerliche Busfahrt von etwa 10 Stunden bringt uns schliesslich an unseren Ausgangspunkt Dunche. Wir werden dort von beissender Kälte empfangen und beginnen – nach unserem Beschluss, uns für das nächste Mal dickere Schlafsäcke zu kaufen – am nächsten Tag unseren Aufstieg. Die Steigung bewirkt, dass wir schnell nicht mehr frieren. Die Luft ist frisch und klar und schon bald sehen wir die ersten schneebedeckten Gipfel. In der folgenden Nacht erinnern wir uns an den Trick, dasjenige Gästezimmer zu wählen, durch welches das Ofenrohr geleitet wird und unsere Schlafsack-Kaufpläne sind bald vergessen. Nach zwei Wandertagen und in 4600m Höhe kann man sich die wuselige und für Westler fast chaotische Stadt Kathmandu dann nicht mehr vorstellen.

Wir sind insgesamt sechs Tage auf Wanderschaft und treffen uns anschliessend mit Bharat in Betrawati, um – für uns übrigens zum ersten Mal – dieses Projektgebiet zu besuchen. Umso gespannter waren wir auf die Leute dort. Mit Bharat war vereinbart, dass wir nach Ankunft unseres Busses in Betrawati am Basar einfach mal nach ihm fragen. Bei einem Gläschen Tee zur Beruhigung unseres durchgeschüttelten Magens nach der Busfahrt, kamen wir bald ins Gespräch mit den Leuten. Wunderbarer Weise, ganz ohne Telefon, wurden wir von einer Frau abgeholt und weitergeleitet zum Projekthaus, in dem Bharat schon auf uns wartete. Zur Begrüßung gabs erst mal Tee und Dhal Bhat.

Die Kinder erkannten ganz schnell, dass nun neue „Opfer“ für ihre Ballspiele gefunden waren. So wurde unser üppiges Dhal Bhat auf kürzeste Zeit wieder abtrainiert… Nun war das Eis gebrochen und wir lernten an diesem Tag noch viele weitere Dorfbewohner kennen, die uns sehr herzlich aufnahmen. Am Lagerfeuer fand der Abend einen schönen Ausklang.

In den paar Tagen in Betrawati besuchten wir viele Familien der Patenkinder in ihren Häusern und konnten mit Bharat diverse Fragen klären. Nebenbei wurden noch neue Pullis und Schulutensilien verteilt und für die kalten Winternächte warme Decken.

Nun sind wir wieder zurück in Kathmandu. Hier sind wieder mal eine warme Dusche und Wäschewaschen angesagt. Und schon morgen geht es weiter ins Projektgebiet Naldum. Da wir vor einigen Jahren dort fünf Monate gelebt haben, um die Krankenstation einzurichten und aufzubauen, sind wir natürlich besonders auf die Entwicklung an diesem Ort gespannt. Seit unserem letzter Besuch sind nun auch schon drei Jahre vergangen und einige damalige ABC-Schützen haben mittlerweile ihren Schulabschluss geschafft.

Da nach fünf Monaten in Naldum unser Herz immer noch ein wenig hier schlägt wollen wir auch unsere Hochzeit mit den Dörflern ein wenig nachfeiern und haben heute die Vorbereitungen dafür mit Bharat in Kathmandu getroffen. Dabei haben wir erfahren, dass wir „selbstverständlich“ nur in Landestracht antreten können. Das Ende vom Lied: Wir haben nun einen roten Sari und ein etwas seltsames Outfit für Stefan (Dora Suan) im Gepäck!! Wir wissen noch nicht, ob wir Euch die Fotos davon zeigen können.

Wir senden liebe Vorweihnachtsgrüsse aus Kathmandu!

Namaste

Stefan und Tina Heigl