Unsere Arbeit ist wirksam – ein gutes Gefühl 03.01.11

Liebe Freunde von HTC,

seit kurzem sind wir wieder zurück aus Nepal und haben viele Eindrücke im Gepäck, die uns sehr bewegen. Von einigen möchten wir Ihnen hier berichten. Bei unserer diesjährigen Reise konnten wir uns tagtäglich davon überzeugen, dass unser Wunsch „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten bzw. „Wege zur Eigenverantwortung“ aufzuzeigen, nach und nach zur Tatsache wird:

Schon vor Jahren nahm Hari – einer unserer nepalesischen Helfer in Betrawati – aus eigener Initiative den verwaisten Jungen Surya als Kleinkind in seine Familie auf. Dessen Mutter verließ nämlich die Familie mit einem anderen Mann und der Vater wurde durch einen Übergriff der Maoisten im Krieg getötet. Trotz dieser Widrigkeiten kann Surya nun wie Haris eigener Sohn aufwachsen und wird als Patenkind in seiner Schulausbildung gefördert. Er ist ein glückliches Kind unter allen anderen und fällt nicht wie andere Waisen aus dem sozialen Raster.

In Naldum wurde uns dann das 13-jährige Mädchen Sushila vorgestellt. Sie stammt aus demselben Dorf wie unsere Pflegerin Dhana Maja in der Krankenstation. Sushila ist von Geburt an geistig behindert und wohnt bei ihren Eltern. Leider macht sie in der gewohnten Umgebung keinerlei Fortschritte. Sie hat keine Motivation, etwas anderes zu tun, als tagaus, tagein im Bett zu liegen. Die Eltern kamen mit diesem Anliegen nun zu uns und Bharat Rana. Aus Erfahrung konnten sie erzählen, dass Sushila Fortschritte mache, wenn jemand anderer als die Familienmitglieder sich mit ihr beschäftigte und sie zu irgendwelchen Tätigkeiten animierte. Ihr Vorschlag war es, die Tochter ein, zwei Monate zu einer anderen Familie in der näheren Umgebung zu schicken, um zu testen, ob Sushila nicht besser gefördert werden könnte. Somit wäre die Lebensqualität für sie und ihre Familie weitaus höher. Sushilas Eltern und Geschwister kümmern sich liebevoll, jedoch muss man bedenken, dass unter diesen harten Lebensumständen jeder Einzelne mithelfen muss, um das Auskommen zu sichern. In Sushilas Fall hat die Familie noch eine weitere Person am Esstisch, die jedoch nichts zum Lebensunterhalt beitragen kann.

Noch bevor Sushilas Mutter mit ihrer Geschichte geendet hatte, meldete sich Bhawana zu Wort, die im Hintergrund stand und alles mitgehört hatte. Auch sie wohnt in Naldum und bot völlig spontan an, das Kind in ihrer Familie aufzunehmen, um zu sehen, ob sie dort Fortschritte mache.

Wenn wir solche Lebensgeschichten hören, vergleichen wir unweigerlich mit deutschen Verhältnissen. Bei uns wäre es ein Leichtes, Sushilas Ausbildung einer professionellen Einrichtung zu überlassen und ihre Fähigkeiten in einer Behindertenwerkstätte zu fördern. Genau wie bei Surya: Er würde nun in einem Waisenhaus leben können. Es ist schwierig, zu entscheiden, welche Wege die besseren sind. Auch aufgrund der kulturellen Unterschiede steht es uns auch nicht zu, zu urteilen. Eines jedoch ist klar: Unser Ziel, der Selbstverantwortung Raum zu schaffen, ist gelungen. Unsere kleinen nepalesischen Dorfgemeinschaften helfen sich mittlerweile selbst in sozialen Nöten. Und wir als Verein helfen ihnen, weitere Fortschritte in Bildungs- und Gesundheitsfragen sowie in der Verbesserung der Lebensumstände zu machen.

Liebe Freunde, diese positiven Geschichten können wir Ihnen nur erzählen, weil Sie unsere Arbeit so treu und großzügig unterstützen. Wir danken Ihnen herzlich dafür und hoffen, dass Sie unseren Verein weiterhin als Pateneltern oder Sponsoren fördern.

Es grüßen Sie mit einem „Namaste“

Tina und Stefan Heigl